Anti-Fluglärm-Demo: Rede Schwab-Posselt

Mainz, 22. Oktober 2011

Redebeitrag von Winfried Schwab-Posselt( Netzwerk Umwelt und Klima Rhein-Main ),

gehalten auf der Anti-Fluglärm-Demo am 22. Oktober 2011 in Mainz

Hallo zusammen! Schön euch alle hier so zahlreich zu sehen. Mein Name ist Winfried Schwab-Posselt. Ich spreche zu euch für das Netzwerk Umwelt und Klima Rhein-Main , einen Zusammenschluss von Bürgerinitiativen, Naturschutzverbänden und Organisationen sozialer Bewegungen. Seit über 3 Jahren kämpfen wir gemeinsam für eine umwelt­gerechtere Politik.

Kaum eine Region ist so stark belastet wie das Rhein-Main-Gebiet. Es ist nicht nur der Lärmterror der Flugzeuge, der uns nervt und den Schlaf raubt. In der Metropolen-Region ist die Bevölkerung mit dem Betrieb und der Erweiterung zahlreicher Infra­strukturprojekte konfrontiert. Schon jetzt sind die Grenzen der Belastbarkeit längst überschritten. Das Grauen hat viele Namen. Hier ein paar Highlights: Die Flughäfen Frankfurt und Egelsbach werden rasant ausgebaut. Flug­lärmterror für noch mehr Menschen, Zerstörung des Nah- und Erholungsraums, Schädigung des Klimas und erhöhtes Absturzrisiko sind die Folgen, unter denen wir zu leiden haben.

Vorangetrieben wird auch der Ausbau einer funktionierenden Rhein-Main-Verkehrsdrehscheibe. Immer mehr Logistikzentren wachsen wie Pilze aus dem Boden, natürlich mitbe­dingt durch die Expansion des Frankfurter Flughafens. Unter dem steigenden Straßen- und Flugzeuglärm sowie der Feinstaubbelastung haben wir alle zu leiden. Im Frankfurter Osten wird scheibchenweise ein Autobahnkreuz A66/661 mitten in ein Wohn- und Erholungsgebiet gebaut. Es wird höchste Eisenbahn, dass innovative Mobilitätskonzepte mit einer deutlichen Stärkung des ÖPN- wie Fernverkehrs entwickelt und umgesetzt werden.

In der neuen Müllverbrennungsanlage im Industriepark Höchst, einer der größten in Deutschland übrigens, werden jährlich bis zu 700.000 Tonnen Müll verbrannt. Täglich wird der Abfall von bis zu 960 LKW herangekarrt.

Auch mit dem AKW Biblis werden wir alle noch weitere Jahre in risikoreicher Nachbarschaft leben müssen, wenn wir nicht dagegen aufbegehren und für eine rasche Demontage sorgen.

Am E.ON-Kraftwerksstandort Staudinger in Großkrotzenburg soll einer der welt­größten Kohledreckschleudern hingestellt werden. Über weitere 40 Jahre werden wir dann mit einem deutlich erhöhten Schadstoff – Cocktail eingedeckt, der unsere Gesundheit gefährdet und Klima wie Umwelt ruiniert. Und jetzt noch das Tüpfelchen auf dem I: In Fechenheim vor den Toren Frankfurts haben sie kürzlich ein Minibraunkohlekraftwerk errichtet. Wollen Sie das ganze Rhein-Main-Gebiet zum Ruhrgebiet des 21. Jahrhunderts verkommen lassen?

Es reicht! Immer mehr Bürgerinnen und Bürger der hochbelasteten Metropolregion Rhein-Main sind nicht mehr bereit, die Gefährdung ihrer Gesundheit, den Verlust an Lebensqualität und die Zerstörung ihrer natürlichen Umwelt einfach hinzunehmen. Es geht nicht nur um die Flieger, die über unsere Köpfe hinweg donnern. Es wäre schade, wenn wir in Zukunft mehrheitlich nur im Rahmen einer Ein-Punkt- Bewegung gegen Fluglärm auf die Straße gehen. Wir müssen den Blick weiten auf all die irrsinnigen Vorhaben im Rhein-Main-Ballungsraum, die unsere Lebensqualität im Mark treffen. Die bisherige isolierte und meist auch ungenügende Betrachtung all dieser umstrittenen Vorhaben greift zu kurz und stellt ein großes Manko dar.

Ein Herzensanliegen vom Netzwerk ist daher die Forderung nach einer Gesamtbelastungsstudie für die Rhein-Main-Region. Ein besonderes Augen­merk sollte dabei auf die Wechselwirkungen der Großprojekte, die sogenannten Synergie-Effekte, gerichtet werden. Die einzelnen Projek­te gilt es auch in ihren sich anhäufenden oder kumulativen Wirkungen zu erfassen. Einzubeziehen sind vor allem die Gesundheitsproblematiken . In den Arztpraxen das gleiche Bild: Die Atemwegserkrankungen nehmen zu, die Krebsfälle steigen rapide an. Das sind subjektive Eindrücke. Was wir brauchen ist eine objektive Datenbasis. Die Erstellung eines Krebsregisters gehört daher ebenfalls ins Paket mit hinein.

Immer wieder und mit Nachdruck haben wir diese Studie an die hessische Landesregierung herangetragen. Was bisher in Wiesbaden von der schwarz-gelben Koalition auf den Tisch gelegt wurde, ist eine reine Mogelpackung . Präsentiert wurde lediglich eine Datenerhebung zu Feinstaub und Stickstoffdioxid, die zu allem Übel noch mit großen Mängeln behaftet ist. Das ist purer Etikettenschwindel. Mit einer Gesamtbelastungsstudie hat das nichts gemein! Da müssen schon deutlich mehr Grundparameter einfließen wie beispielsweise die breite Emissions-Palette von Kraftwerken , Lärmwerte oder die Zubetonierung von Landschaften und deren Auswirkungen auf Mensch und Natur. Für in der Planung oder bereits im Bau sich befindende umstrittene Vorhaben fordern wir bis zur Vorlage dieser Studie ein Moratorium.

Gründe, um endlich aufzustehen, gibt es also genug. Das Maß ist voll! Auch deshalb sind wir am heutigen Tag hier nach Mainz gekommen. Wir wollen die Politik endlich zum Handeln bewegen. All die Inis, die für diesen heutigen Tag mobilisiert haben, sind herzlich eingeladen, sich dem Netzwerk Umwelt und Klima Rhein-Main anzuschließen. Vernetzung ist unsere Waffe im Kampf gegen die zunehmenden Belastungen allerorten. Kämpfen wir in Zukunft gemeinsam für ein lebenswertes Rhein-Main-Gebiet!

 

 

 

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