Orchideen-Hot-Spot in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm

Nicht nur in tropischen Regionen gibt es Orchideen, sondern auch  Rheinhessen ist Orchideenland. Besonders in aufgelassenen Weinbergen sind attraktive Pflanzen wie das „Knabenkraut", die „Bienen-Ragwurz" und die „Bocks-Riemenzunge" zu finden. Das milde Klima macht es möglich - und Menschen, die sich dem Erhalt dieser seltenen Pflanzen widmen. Das Tolle: In unserer Verbandsgemeinde Nieder-Olm gibt es einen Orchideen-Hot-Spot, nämlich in Jugenheim.

Zum Hintergrund: In Jugenheim sind im Laufe der letzten Jahre circa 17 Hektar Land am Bleichkopf und in der Nähe des Saubaches in die Pflege des NABU Mainz und Umgebung(Naturschutzbund Deutschland) übergegangen, hier hat Natur wieder eine Chance und damit haben es auch die Orchideen. Jugenheimer, wie der ehemalige Winzer Heinfried Greß und seine Mitstreiter vom NABU, machen das möglich. Greß wurde übrigens für sein Engagement 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

 

Gelegentlich müssen Greß und die anderen feststellen, dass manche Menschen die kostbaren Orchideen einfach ausgraben, nur um zu versuchen, sie in ihrem eigenen Garten anzupflanzen. „Diese empfindlichen Pflanzen gehen dann mit Sicherheit ein," weiß Greß. Dass dieses verantwortungslose Tun verboten ist, versteht sich von selbst, die meisten Orchideen sind auf der Roten Liste. Und bereits jetzt gelten einige Orchideenarten, die es früher in Rheinland-Pfalz gab, als verschollen.

Um so großartiger, dass einige Arten in Jugenheim zu bewundern sind 

Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea)

Sie ist eine der größten heimischen Orchideen. Das Purpur-Knabenkraut ist als Frühblüher (Ende April) sehr frostempfindlich und findet sich als wärmeliebende Halbschattenpflanze vorzugsweise im Saume lichter Laub- und Nadelwälder, in Gebüschen und in Magerrasen auf kalkhaltigen Böden. Hauptblütezeit ist Anfang bis Ende Mai, die Fruchtreife beginnt ab Ende Juli.

Das Purpur-Knabenkraut ist gefährdet. Um auf die besondere Schutzwürdigkeit dieser seltenen Art hinzuweisen, wurde das Purpur-Knabenkraut von den Arbeitskreisen Heimische Orchideen (AHO) zur Orchidee des Jahres 2013 gewählt. Die „Bestandsentwicklung ist rückläufig", sagt der NABU Mainz und Umgebung. Sie gehören (wie viele Orchideen) zu den am stärksten zurückgehenden Gattungen der einheimischen Pflanzen.

Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera)

Die Bienen-Ragwurz blüht von Mai bis Juli in Halbtrockenrasen auf Löss- und Kalksteinböden. Sie wird 20 bis 50 Zentimeter hoch. Aufgrund der späten Blütezeit ist sie gegen Bodenfröste weniger empfindlich als andere submediterrane Orchideen und daher weiter verbreitet als andere. Trotz ihrer auffälligen Blüte ist sie ein Selbstbestäuber.

Um auf die Gefährdung auch dieser Art aufmerksam zu machen, wurde die Bienen-Ragwurz von den  Arbeitskreisen Heimische Orchideen zur Orchidee des Jahres 1995 gewählt.

 

   

Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum)

Eine der auffälligsten Orchideen des Bleichkopfes in Jugenheim ist die hochwüchsige Bocks-Riemenzunge, die auf kalkhaltigen, mäßig trockenen Böden in Magerrasen, an Böschungen und in Säumen lichter Gebüsche vorkommt.

   

Aufgrund ihrer stattlichen Höhe von bis zu 90 cm kann sich diese westmediterrane Art auch in verbuschten, aufgelassenen Weinbergen und auf Wochenendgrundstücken durchsetzen. Die auffällige Orchidee ist in Südwest-Deutschland nicht sehr selten und scheint sich in Gebieten mit Weinbau auf entsprechenden Standorten (Halbrockenrasen, Weinbergsbrachen) wieder etwas auszubreiten. Trotz dieser Entwicklung ist sie in einigen Bundesländern gefährdet und steht auf der Roten Liste. Sie wurde von den Arbeitskreisen Heimischer Orchideen (AHO) zur Orchidee des Jahres 1999 gewählt.

Neben den drei aufgeführten Orchideen soll es noch zwei weitere Arten in Jugenheim geben. Wenn wir sie finden, gibt es weitere Bilder. Bis dahin: 

Neben den Orchideen gibt es noch etlich andere seltene und ungewöhnliche Pflanzen in Jugenheim  zu bestaunen, zB die Sommer-Wurze, die - wie gesagt - keine Orchideen sind, aber auch sie sind sehr gefährdet:

Sommerwurz (Orobanche – keine Orchideen)

Interessant zu sehen: Die bleichen Sommerwurzpflanzen besitzen keine Chloroplasten und können keine Photosynthese betreiben, sie sind daher vollständig auf die Ernährung durch ihre Wirte angewiesen, sie sind Parasiten. Die Kapselfrüchte können einige Tausend Samen enthalten und eine Sommerwurzpflanze kann über 300.000 Samen bilden, die später mit dem Wind verbreitet werden. Für die Gattung Orobanche gilt sinngemäß das gleiche wie für Knabenkräuter, sie sind selten, gefährdet und ihr Bestand geht zurück. ... und sie haben zumindest einen Platz in Jugenheim. (bw 2015)

   

 

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