Chronik des Musikvereins Klein-Winternheim

Musikkapellen haben in unserem Dorf eine lange Tradition aber auch eine verwirrende Geschichte. Der älteste Beleg für ein aktives Musizieren in Klein- Winternheim stammt aus dem Jahre 1850. Am 30. August erteilte die Großherzoglich Hessische Regierungs-kommission dem damaligen Bürgermeister unsres Dorfes die Erlaubnis, einigen Musikern Patente anzufertigen. Hierbei handelte es sich wahrscheinlich um das Recht, öffentlich zu musizieren, was offenbar nicht jedem erlaubt war, zum Schutz der Bevölkerung. Immerhin zeigt der Brief, daß die Vorläufer des jetzigen Musikvereins schon 150 Jahre alt sind.
Eine genaue Vereinsgründungszeit ist nicht festgehalten worden, doch ein erstes Foto einer Kapelle und eine Einladung zu einem Neujahrskonzert stammen aus den Jahren 1895/ 96. Dieser kleine Musikverein spielte nicht nur bei kirchlichen Anlässen, sondern auch bei Tanzveranstaltungen und Vereinsfesten. Ihr Dirigent, Ferdinand Eckert, galt als ausgezeichneter Musiker, denn er hatte sein Handwerk an der Militärmusikschule in Metz erlernt.

Der Musikverein 1895
Hintere Reihe von links: Johann Sternhard, Johann Orth, Christoph Kissel, Jakob Saling, Johann Kissel
vordere Reihe von links: Johann Schreiber, Georg Loffel, Mathäus Alois Bugner, Ferdinand Eckert, Jakob Fleck, Michael Schreiber III

Im Jahre 1926 gründete Michael Schreiber mit eigenen Musikern die "Kapelle Schreiber". In den Statuten dieses Vereines hieß es unter anderem: "Jedes Mitglied ist zu unbedingtem Gehorsam gegenüber dem Kapellmeister verpflichtet." Außerdem war festgesetzt, das derjenige, der dreimal nicht an einer Probe teilnahm, die Kapelle zu verlassen hatte. Ein hartes Regime! Die "Kapelle Schreiber" erklärte, die Gemeinde durch musikalische Darbietungen unterhalten zu wollen "und soweit als möglich beruflich als Musikkapelle tätig zu sein." Beide Bläsergruppen existierten eine Weile nebeneinander und teilweise spielten Musiker auch in beiden Gruppen. Für die kirchlichen Belange war weiterhin die Kapelle unter der Leitung von Ferdinand Eckert zuständig. Als dieser im Jahre 1939 jedoch verstarb, führte Michael Schreiber beide Gruppen zusammen. Er hat die "katholische Kirchenmusik", die sich später dann schlicht Musikverein nannte, fast 50 Jahre lang geführt.

Im Jahre 1965 feierte der Musikverein sein 90-jähriges Bestehen. Ein, wie sich aus der Geschichte ergibt eher willkürlich festgesetzter Termin. Ende der 60er Jahre kam es dann zu den ersten Vorstandswahlen. Der Vorstand sollte den Dirigenten bei der Führung des Vereins unterstützen, die Vereinskasse in Ordnung halten und durch regen Briefkontakt mit anderen Vereinen Auftritte organisieren. Erich Schreiber fungierte bis zum Jahre 1994 als 1. Vorsitzender des Musikvereins. Abgelöst wurde er von Peter Bugner, der dem Verein noch heute vorsteht.

Im Jahr 1971, während eines Jubiläums des Radsportvereines, bemerkte man schon eine erste, starke Umorientierung von kirchlichen zu überwiegend weltlichen Musikstücken. In den Jahren zwischen 1973 und 1989 richtete der Musikverein öffentliche Sommerfeste aus, die im Hof der alten Grundschule stattfanden. Hierbei war nun endgültig zu spüren, daß es den Musikern besonders Spaß machte, die Gemeinde mit Märschen, Walzern, aber auch ersten anspruchsvollen Konzert- Stücken zu begeistern. Aufwendigere Konzert- Stücke wurden 1990 erstmals zu einem Jahreskonzert zusammengefasst, das die Bürger Klein-Winternheims so gut annahmen, daß seitdem alle zwei Jahre ein großes Konzert stattfindet.

Als Dirigent löste im Jahr 1975 Lothar Gerbracht Michael Schreiber ab. Nachdem Fred Knußmann die Kapelle seit 1982 geleitet hatte, wurde der Dirigentenstab im Jahr 1987 an den Gau- Algesheimer Jürgen Hattemer übergeben. Dieser leitete den Verein bis Ende 2006. Bis November 2008 hatte Herr Jürgen Haller die musikalisch Leitung. Seitdem steht der Verein unter der Leitung von Herrn Konrad Meier.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich auch das Durchschnittsalter der Musiker verändert. Heute liegt es wohl eher in den 20ern statt den 40ern, was allerdings nicht bedeutet, daß nicht auch ältere Musiker willkommen wären. Wie man sich denken kann wird auch im Musikverein die Jugendarbeit groß geschrieben. Aus den Jugendlichen, die an einem Instrument ausgebildet werden hat sich längst ein eigenständiges Jugendorchester gebildet, das sich zunächst unter der Leitung von Gerhard Maurer und aktuell unter Konrad Meier von Jahr zu Jahr weiterentwickelt und schon zu einem festen Bestandteil der Sommerfeste in "Haddes Hof" und der Konzerte geworden ist.