Fotodokumentation (TEIL 12) über die Entwicklung der Ausgleichsfläche "Am Wingertsweg" ab Januar 2018

27. Januar 2018

Brombeeren sind tolle Pflanzen, gute Futterquellen für Insekten, bieten Schutz für andere Tiere - trotzdem gehört es zu den Pflegearbeiten, sie immer wieder zurückzuschneiden. 

Und die beiden Pferde von Nachbargrundstück schauen verwundert, was die Menschen da wieder so treiben ...

Fotos: Bodo Witzke / Jörg von den Steinen 

 

 30. Januar 2018

Ein neues Baugebiet ("An der Bordwiese") soll erschlossen werden. Dort wurden die nicht nur nach Europa-Recht streng geschützten Zauneidechsen gefunden. Sie sollen umziehen, vielleicht auf die Ausgleichsfläche. Ein Infozettel auf der Ausgleichsfläche  informiert die Spaziergänger über den aktuellen Stand. wenn Sie auf das Foto des Zettels unten doppelklicken, kommen Sie zu einer größeren Version.

 

 1. Februar 2018

Ortstermin auf der Ausgleichsfläche "Am Wingertsweg". Hier sollen die streng geschützten Zauneidechsen im Laufe der nächsten Monate hin umgesiedelt werden, die im neuen Baugebiet "An der Bordwiese" gefunden wurden. Es sind Leute auf der Fläche unterwegs ...

 

... die eigenartige Antennen und rote Stäbe mit sich führen.

Auch dabei, Dr. Irene Wellershoff von der LOKALEN AGENDA Klein-Winternheim ...

 ... im Gespräch mit dem Biologen Thomas Merz, der mit seinen Mitarbeitern die Umsiedlung der Echsen vornehmen soll; auf dem Rücken trägt Merz eine GPS-Antenne, die auf dem Display anzeigt, wo die 3000 qm genau hinkommen sollen, die auf der 1,4 Hektar großen Fläche für die Umzügler am besten geeignet sind, u.a. von der Feuchtigkeit und Vegetation her. 

 Die bunten Stäbe, die sie in den Boden rammen, zeigen, wo ein Amphibien-Zaun geplant ist (damit die Echsen nicht einfach an ihren alten Wohnort zurückkehren), wo Hügel für die artgerechte Haltung hinkommen  sollen (zum Sonnen für die Kaltblütler in den wärmeren Jahreszeiten und zum Höhlenbauen im Winter).

 

Damit alles optimal abgestimmt wird, ist Ortsbürgermeiserin Ute Granold auf die Fläche gekommen, auch Ratsmitglied Jürgen Fleischmann und Jörg Raudszus von der Verbandsgemeinde sind da.

 

Es geht um Zeitpläne, die Chance, Arbeiten  in Eigenleistung zu erledigen, um Kosten zu sparen.

Es geht darum, wie die Fläche langfristig aufgewertet werden kann und  bei den Arbeiten keinen Schaden nimmt.

Die Fläche, so der Biologe, sei in einem ausgezeichneten Zustand, "sehr gut entwickelt." Die müsse schonend behandelt werden. Er hofft auf Frost, damit die Baugeräte, die bei der Umgestaltung der neuen Echsenwohnstätte zum Einsatz kommen, den Boden nicht unnötig verdichten.

Merz zeigt Bilder früherer Fangaktionen aus anderen Orten in Rheinhessen. Hier ein Zauneidechsen-Weibchen, das kaum sichtbar unter einem Busch gesessen hatte, von wo es ein Spezialist mit einer Schlinge eingefangen hat, ohne das Tier zu schädigen. Eine hohe Kunst.

Die Planungen beweisen jahrelange Erfahrung im Umgang mit den geschützten Tieren. Keine Frage, jeder will tun, was die Gesetze zum Artenschutz - aus gutem Grund - fordern. Und dazu kommt,  meint Merz , "dass diese Echsen auch einfach toll aussehen, die muss man mögen."

Nach dem Ende des Winterschlafes der Tiere kann es losgehen mit der Umsiedlung, vor der Eiablage sollte sie abgeschlossen sein. Wir werden weiter berichten ...

 

 

13. Februar 2018

Hier und da ist schon etwas Grün zu sehen. Es ist zu dieser Zeit noch verhältnismäßig warm.

Ds Bienenhotel ist gut besucht und in vielen der Nistlöcher warten Wildbienen darauf, dass für sie das Jahr los geht.

In einem der Bäume ist ein Nestbau zu sehen. Waren es die Elstern?

Vorne an dem Wingertsweg schreddern Gemeindearbeiter mit schwerem Gerät die von den Mitgliedern der Lokalen Agenda abgeschnitten Brombeeren, deren Ranken einen der Steinhaufen überwachsen haben.

 

25. Februar 2018

Nur wenige Tage später ist der Winter wieder da. Und gegen Ende des Monats wird es fast arktisch.

Und einer der beiden Nachbarn der Ausgleichsfläche zieht bei diesen Temperaturen den Wintermantel an.

 

 3. März 2018

Erste Materialien sind zur Ausgleichsfläche geliefert worden, für den zauneidechsengerechten Ausbau der Fläche. Die Tiere brauchen erhöhte Stellen für ein artgerechtes Leben, kleine Hügel sollen auf die Fläche kommen, aber weiter oben.

Von weiter oben beobachtet ein Raubvogel das merkwürdige Treiben.

 

 Mitte März 2018

Das in Europa streng geschützte Rebhuhn schaut auf der Ausgleichsfläche vorbei. Ein toller Moment, wenn man bedenkt, dass der Bestand des Rebhuhns im Rhein-Main-Gebiet in den letzten Jahrzehnten um mindestens 90 % zurückgegangen ist, europaweit sogar noch stärker. 

Die Materialien für den Umbau des geplanten Zauneidechsengebietes warten noch auf günstige Witterung, um sie an den richtigen Ort, oben auf der Fläche,  zu bringen

 

29. März 2018

Kurz vor Ostern blühen noch keine Bäume auf der Ausgleichsfläche, wie die Vogelkirsche, die letzten Kälteeinbrüche haben die Vegetation etwas zurückgeworfen. Allerdings ist es inzwischen wieder warm genug, dass die Wildbienen am Bienenhotel fleißig brummen.

 

31. März 2018 - Oster-Wochende

Vor 10 Jahren ging es los mit den Planungen und dann den Pflanzungen für die Klein-Winternheimer Ausgleichsfläche "Am Wingertsweg". Grund genug für die AZ auf diese Zeit einer erfolgreichen Renaturierung zurück zu blicken - und Grund genug, sich mit guten Gründen weitere Renaturierungen in unserer Landschaft zu wünschen.

Hier kommen Sie zu einer großen Version des Artikels 

 

31. März 2018

Vor dem Bienen-Hotel ist das wilde Gewimmel noch wilder geworden.

Und die kleine Wilde Primel, die vor Jahr und Tag auf die Ausgleichsfläche gezogen ist, ist auch wieder da.

 

 

 

6. bis 9. April 2018 - Die Umgestaltung der Fläche

Ein paar Tage Frost und Trockenheit, der Boden ist nach einem langen, feuchten Winter  befahrbar. Aus den großen Erd-, Sand- und Holzhaufen, die einfach erstmal nur hier abgelagert wurden,  soll fachgerecht ein Echsen-Biotop entstehen.

Im Einsatz, für Erdarbeiten, Gerät so klein wie möglich. Als erstes ist die Erde dran.

Ab jetzt entstehen mehr als 20 kleine Hügel, ein bis zwei Kubikmeter Erde sind der Anfang  jeder neuen Erhöhung.

Am Steuer ein Biologe, Peter Hartmann, der seit gut zehn Jahre Biotope baut. Links daneben in Gelb, Thomas Merz von viriditas, er ist für die Umsiedlung der Zauneidechsen in Klein-Winternheim verantwortlich, auch Biologe.

Die Beiden sagen, diese Arbeit sei nicht nur ein Job, in solchen Projekten stecke auch immer etwas Herzblut. Die nächsten drei Jahre werden sie das Echsen-Umzugsgebiet "Am Wingertsweg", auf der Fläche von 3000 qm,  pflegen und beobachten, das gehört zum Umzug dazu.

Es gäbe Projekte, die sie seit 10 Jahren begleiten würden, "irgendwann kennst Du dann jeden Grashalm". Noch ein kurzer Check der farbigen Stangen, die die Position der zu bauenden Hügel markieren.

Dann ist das Holz dran. An jeden Erdhaufen ein Stoss Äste und Baumstammstücke. Alle ausgerichtet in die Hauptsonnenrichtung. "So mögen es die Echsen am liebsten", sagt Hartmann. Das Holz soll nicht zu sehr nach brauchbarem Brennholz aussehen, sonst ist es schnell geklaut.

Gut ist auch dunkles Holz, das absorbiert die Wärme besser, was die wärmeliebenden Kaltblüter sehr schätzen. Nach dem Umzug werde man die Tiere auf dem Holz liegen sehen können. Aber genau gucken muss man schon ...

Warum so viele kleine Erdhügel und nicht einfach zwei, drei große? Weil von den Eidechsen-Machos jeder sein Revier haben will, jeder seinen Hügel, das sei wie eine kleine Burg. Und auf einen großen Hügel paßt nur einer drauf, auf viele kleine Hügel passen viele drauf.

Aber fertig sind die Echsenhügel noch immer nicht. Es fehlt noch etwas für die Damen.

  

Auf jeden Haufen gibt es noch eine ordentlich Schippe Sand. Das ist nötig für die Eiablage der Echsendamen. Der Nachwuchs will am liebsten im Sand schlüpfen.

Die "kleinen" Hügel haben es in sich, alleine 30 bis 40 Tonnen Sand werden hier verteilt.

Und dann kommt noch etwas ganz Besonderes, das "Sahnehäubchen" sozusagen ...

Das dünne Gestrüpp, das noch unten liegt. Mit einem Armvoll macht sich Hartmann auf den Weg, das Ziel fest im Blick.

Und dann setzt er der neuen Eidechsenburg die Krone auf.

Die dünnen Äste haben ihre Funktion. Sie schützen die Zauneidechsen vor Greifvögeln, damit sie nicht oben auf dem Hügel wie auf einem Servierteller sitzen müssen.

Jeder  Hügel bekommt am Ende sein Gestrüpp. Aber zwischendrin muss noch etwas getan werden: Eine tiefe Rinne ist um das neu angelegte Eidechsengebiet gezogen worden ...

... für den "Amphibienzaun". Der soll die ganzen 3000 qm umschließen. Verstärkung ist angerückt.

Knapp 50 cm hoch wird der "Zaun" sein, der in Wahrheit eine massive Plastikplane ist, die mit dem unteren Rand in den Boden eingegraben werden muss, damit sich später keine Echse unten durchwühlen kann.

Warum der Aufwand? Eidechsen sind standorttreu. D.h. die Zauneidechsen, die aus dem geplanten Baugebiet "An der Bordwiese" hierher gebracht werden sollen, um dort bauen zu können, würden ohne Zaun auf dem kürzesten Weg wieder zurück  in die vertrauten Wohngebiete wandern.

Der "Zaun" verhindert diese Rückwanderung. Nach circa einem Jahr haben sich die Echsen an das neue Zuhause gewöhnt und irgendwann kann der "Zaun" dann verschwinden.

Circa 400 laufende Meter hat der Zaun, mit Metall-Stiften, die ausehen wie Zeltnägel, wird der Zaun aufgerichtet.

 Jetzt können die neuen Bewohner kommen, die "Echsen-Burgen" warten schon.

Nachtrag

Bereits im Juli 2017 wurde die Ausgleichsfläche "Am Wingertsweg" im Zuge erster Umzugsplanungen von dem Biologen Ralf Thiele begangen. Er entdeckte auch auf der Ausgleichsfläche Zauneidechsen, eine hat er fotografiert, siehe unten. Das bedeutet, die Fläche ist für ihre neuen Bewohner gut geeignet - und mit den neuen "Echsenburgen" kann sich die Population der geschützten Tiere dort recht ungestört vergrößern. 

 

9. April 2018 - Vorbereitung zum Fang

Während Teile der Ausgleichsfläche "Am Wingertsweg"  für den noch kommenden Umzug der Zauneidechsen vorbereitet werden, wird im neuen Baugebiet "An der Bordwiese" der Fang der dort noch lebenden streng geschützten Tiere vorbereitet. 

Die meisten Zauneidechsen wurden in der Pferdekoppel gesehen, die einen großen Teil des neuen Baugebietes ausmacht. Biologe Hartmann ist mit dem Rasenmäher unterwegs. Er mäht einige Wege in die struppige Wiese.

Das Mähen ist für die hier lebenden Tiere kein Risiko, auch wenn sie schon aus dem Winterschlaf erwacht sein sollten. Die Erschütterungen des Mähens, die von der Grasdecke übertragen werden, warnen sie und die Tiere können verschwinden, bevor der Mäher bei ihnen ist.

Über die Wege wird sich später der Fänger auf der Wiese bewegen können, ohne dass die vorher dort vorhandene dicke Grasdecke die Erschütterungen seines Gehens weiter geben könnte und so die Echsen gewarnt sind.

Und dann kommt noch was, es werden sogenannte "Attraktionspunkte" gesetzt. Das sind ganz praktisch Holzstücke, etwas höher als die Grasnabe, genau das, was Zauneidechsen suchen, wenn sie sich zum Aufwärmen in die Sonne legen wollen.

Hier sollen dann die scheuen Zauneidechsen gefangen werden. Wann? Das entscheidet das Wetter und das entscheiden die Echsen selbst. Erstmal heißt es warten. Die nächsten Tage ist es noch zu kalt, als dass man mit ihnen rechnen könnte. Aber es ist alles vorbereitet.

Irgendwo hier sind sie, die Zauneidechsen. Wieviel es sind, das weiss noch keiner.

 14. April 2018

Auf der Ausgleichsfläche beobachtet ein Falke die letzten Veränderungen. 

Die Schlüsselblumen haben einige Flecken besetzt und feiern die Sonnenstrahlen dieses Tages.

Und auch die Vogelkirschen zeigen ihre Blüten, etwa zwei Wochen nach Ostern in diesem Jahr. 

Am Feldrand Grabungsarbeiten ...

Es geht gegen das Orientalische Zackenschötchen, das als Neophyt ganze Wiesen übernehmen kann und in unserer Region, z.B. an den Straßenrändern, extrem stark verbreitet ist.

Obwohl der Boden noch naß und weich ist, gelingt es nur Teile der Wurzeln herauszuholen - die Pflanzen werden uns noch über den Sommer beschäftigen.

 

 17. April 2018

... und nachts ist auch einiges los auf der Ausgleichfläche, ein Rehbock kommt vorbei, wirft einen Blick Richtung Fotofalle und geht dann entspannt weiter ...

 

18. April 2018

... und da kommt der nachtaktive Gartenschläfer aus seinem Bau, mal gucken, kurz nach Mitternacht. Trotz seines Namens lebt er übrigens am liebsten im Wald oder in Buschgebieten. 

 

Der Bestand des Gartenschläfers in Deutschland ist stabil, allerdings ist seine Zahl in den letzten Jahrzehnten weltweit und auch in Europa dramatisch gesunken. Die  Bundesregierung hat deshalb erklärt, dass Deutschland eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Art hat. ("Nationale Verantwortungsart")

Wir freuen uns, dass der kleine Kerl bei uns in einen Gras- und Asthaufen eingezogen ist.

 

 22. April 2018

Ein Igel ist in der Nacht unterwegs ... und läßt sich mit ein bisschen Futter vor die Infrarot-Kamera locken. ... sieht nach dem Winter schon wieder gut genährt aus!

 

 

10. Mai 2018

 Ein neuer Infozettel an der Ausgleichsfläche informiert über die ersten umgezogenen Zauneidechsen. (Große Version hier oder auf die Bilder klicken.)

 

 

 

15. Mai 2018

Eine der aggressivsten invasiven Pflanzen in Rheinhessen ist das gelbblühende Zackenschötchen, das mit Raps verwechselt werden kann. Die Pflanze kann innerhalb kurzer Zeit große Flächen "erobern" und verdrängt einheimische Pflanzen. Auch auf unserer Ausgleichsfläche ist sie eingewandert und muss, da sind sich Naturschützer einig,  bekämpft werden. Wichtig ist es, sie vor dem Blühen mit möglichst viel Wurzeln auszustechen. Ganz wird man sie nicht mehr wegbekommen, aber ihre Ausbreitung können wir stoppen.

 Die Stellen an denen einmal Zackenschötchen gewachsen sind, müssen weiter beobachtet werden, weil sie schneller als einheimische Pflanzen wieder ausschlagen können.

17. Mai 2018

Eine Eiche, die 2008 gepflanzt worden war, hatte bis jetzt mehr schlecht als recht überlebt, dieses Frühjahr hat sie keine Blätter mehr ausgetrieben. Schade.

In der Nähe war die zweite Eiche 2008 gepflanzte Eiche schon vor längerer Zeit eingegangen. Ein ganz kleiner Eichenschößling versucht es da  nochmal und macht sich erstmal recht gut. Vielleicht ist es so, dass eine Eichenpflanze, die von klein auf an dem trockenen Hang aufwächst am Ende besser mit dem Standort zurecht kommt, als ein Baum, der bereits relativ groß gepflanzt wird. Wir sind gespannt und wünschen dem kleinen Gesellen alles Gute.

 

17. Mai 2018

Und ab Mitte Mai startet wieder das bunte Wiesentreiben.

 

 

 

 

 

 

 

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