Besuch der Partnerschaftsfamilien in Muizon 2017

Vom Rhein an die Marne

Unsere Partnerfahrt nach Muizon am 20.und 21. Mai 2017

Es ging los wie immer: In aller Herrgottsfrühe wartet der Bus vor der Haybachhalle und nach und nach trudeln – mehr oder weniger verschlafen – die Mitfahrer ein, hartgesottene Franzosenfreunde seit 36 Jahren, aber auch solche, die das noch werden wollen.

Der Bus rollte auf den eingefahrenen Wegen westwärts bis  Reims, aber da  bogen wir  in den Süden ab Richtung Epernay, weil sich unsere französischen Freunde für dieses Jahr als besonderes Schmankerl eine Bootfahrt auf der Marne ausgedacht hatten, also: Schiffche-Bootche wie auf dem Rhein, na, dafür sind wir immer zu haben!

Doch die landschaftliche Anmutung hier in der Champagne ist ein wenig anders, als wir es vom Rhein her kennen: Ruhig, fast ein wenig träge, windet sich das Flüsschen Marne durch  eine bukolische Landschaft, Weinberge und freundliche Ortschaften bestimmen das Bild. Kanufahrer begleiten uns ein Stück, am Ufer stehen zahlreich die Jünger Petris und frönen dem französischem Nationalsport Angeln – pêche à la ligne. Auf Nebenarmen der Marne tummeln sich unzählige Wasservögel. Dann stoppt  eine blumengeschmückte Schleuse die Fahrt, na, so ganz stimmt das nicht, denn die Fahrt  geht schon weiter, nur vertikal,  einige Meter weiter nach oben. Während wir die Landschaft genießen, werden wir von unseren Muizoner Freunden kulinarisch verwöhnt mit Gebäck und Kaffee oder auch Saft. Diese Stunden haben wir sehr genossen!

Wieder an Land ging die Fahrt weiter nach Muizon, wo uns Michel Thiérion einen Film zeigte, den er im Jahr zuvor vom Treffen in Klein-Winternheim gedreht hatte – in deutscher Version! Da erlebten wir noch einmal, wie wir den 200. Geburtstag Rheinhessens mit allen Partnerschaften der Verbandsgemeinde Nieder-Olm und den 35. Geburtstag unserer eigenen Partnerschaft in Klein-Winternheim gefeiert haben.

Wer wollte, beschloss den Abend in der Familie seiner Freunde, aber das Programm hatte  einen weiteren Höhepunkt vorgesehen: Das Konzert des Chores „Veslardannes“, den wir schon von einigen Auftritten in Klein-Winternheim und auch in Muizon her kannten. Die Sänger präsentierten in der Turnhalle  von Muizon  ein wunderbares Programm:  „Vaste est la vie“ – so weit wie das Leben war das Programm durch die Zeiten und Länder gespannt. Mittelpunkt aller Gesänge aber war der Dank an den, der das Leben schenkt, mit immer wieder einem anderen Hallelujah.

Wer konnte an diesem Abend ahnen, dass dieses Konzert das letzte Event in der 1982 von den Compagnons du Devoir erbauten Halle sein würde: Wenige Wochen später hat eine enorme Feuersbrunst das Gebäude bis auf die Grundpfeiler zerstört!

Der Sonntag Morgen war den Familien vorbehalten, aber gegen Mittag trafen wir uns im Vereinshaus des Fußballklubs von Muizon zum Aperitif und einem opulenten Mittagessen. Mitten im Saal stand eine riesige Pfanne, in der versierte Köche eine herrlich duftende Paella zubereiteten.

Die Dauer der Garzeit füllten Reden und das Überreichen der Gastgeschenke. Hier sah besonders die Vorsitzende der deutschen Partnerschaft Grund, den Franzosen zu gratulieren, denn eine Woche vorher hatte ihr neuer junger Präsident Emmanuel Macron mit überwältigender Mehrheit die Stichwahl gewonnen und damit die Populisten und Europa-Gegner in die Ecke verwiesen, in die sie gehören. Unser Gastgeschenk war ein Glas Klein-Winternheimer Honig für jede Familie, als Symbol dafür, dass sich unsere gemeinsame Partnerschaft trotz 36 Jahren noch immer im „Honigmond“ – „Lune de Miel“ befindet.

Mittlerweile ist es schon eine schöne Tradition, das Mahl am Sonntag gemeinsam einzunehmen, in Deutschland wie in Frankreich. Nicht nur, dass  jeder unbeschwert den Sonntag genießen kann, weil zu Hause die Küche kalt bleibt, diese große, frohe Runde am Ende des Treffens bestätigt und befestigt unsere Freundschaft und macht Mut: wir werden uns noch viele, viele Jahre treffen, denn es wird  immer genügend Menschen in unseren Gemeinden geben, denen die deutsch-französische Freundschaft wichtig ist und am Herzen liegt.

Marie-Luise Taube